Heute, am 1. Oktober, ist Internationaler Tag der älteren Menschen. Ich könnte dazu über den demografischen Wandel schreiben. Über Pflege, Rente oder darüber, wie unsere Gesellschaft mit einer immer älter werdenden Bevölkerung umgehen soll. Mich beschäftigt heute etwas viel Einfacheres. Wie gehen wir eigentlich im Alltag mit älteren Menschen um? Haben wir manchmal vergessen, wem wir einen großen Teil dessen verdanken, was für uns heute selbstverständlich ist?
Autor: Thomas W. Frick (LinkedIn-Profil / Xing-Profil)
Drei Strommasten und ein Gedanke
Letzte Woche lag ich auf der französisches Seite des Rheins zum Trocknen uns Aufwärmen, nach der Rhein-Überquerung durch Schwimmen, am Ufer und sah drei Strommasten lange und nachdenklich an. Eigentlich nichts Besonderes. Und trotzdem musste ich daran denken, worüber wir heute ständig sprechen:
- Künstliche Intelligenz (Unsere Initiative zur nachhaltigen KI-Nutzung)
- Digitalisierung
- autonomes Fahren
- Rechenzentren
- Smartphones und
- Die nächsten technischen Revolutionen.
Persönliches Erlebnis: Am 25. April 2025 war ich in Portugal und habe dort erlebt, wie schon ein Black-Out Tag (Kein Strom und kein Internet), das Chaos auslöste. Keine kurze Nachricht der Einheimischen an die Eltern möglich „Wie geht es dir?“, Kein Tanken möglich, weil die Zapfsäulen Strombenötigen, keine Bezahlung in den Supermärkten möglich, und natürlich kein Internet und auch Funkempfang für das Smartphone. Persönlich erlebt: Ohne Strom wäre ziemlich schnell Schluss.
Irgendjemand hat unsere Infrastruktur gebaut. Generationen vor uns haben Straßen gebaut, Häuser errichtet, Maschinen entwickelt, Unternehmen aufgebaut, geforscht und gearbeitet. Wir diskutieren heute darüber, was KI in fünf Jahren können wird. Dabei vergessen wir manchmal, dass unsere Zukunft auf ziemlich viel Vergangenheit steht.
Respekt zollen: Das alles verdient zumindest eines Anerkennung.
Nicht jeder ältere Mensch ist allein aufgrund seines Alters ein Vorbild. Respekt funktioniert in beide Richtungen und Charakter bekommt man nicht automatisch zum 65. Geburtstag geschenkt. Eine ganze Generation als langsam, technisch überfordert oder von gestern abzutun, ist allerdings genauso daneben.
Für mich beginnt Respekt ziemlich unspektakulär
Ich brauche dafür keine Kampagne! Beispiele für den Alltag:
- Ich kann eine Tür aufhalten.
- Ich kann im Bus aufstehen.
- Ich kann einer älteren Person helfen, etwas Schweres zu tragen.
Das sind keine theoretischen Beispiele für mich.
Du kannst zum Bespiel: Bei einer älteren Nachbarin klingeln und sagen: „Ich gehe einkaufen. Soll ich Ihnen etwas mitbringen?“
Ich habe selbst erlebt, dass ein älterer Landwirt allein auf seinem Hof lebt und bestimmte körperliche Arbeiten irgendwann einfach schwerer werden. Dann packt man eben mit an. Oder auf Kreta vor der Olivenernte im fortgeschrittenen Alter seinen Arm gebrochen hat, klar habe ich Unterstützung angeboten.
Ich erlebe auch, wie sich das Verhältnis zu den eigenen Eltern verändert, wenn sie älter werden. Dinge, um die man sich früher niemals kümmern musste, werden plötzlich zum Thema. Und manchmal braucht ein Mensch überhaupt keine Hilfe. Sondern Gesellschaft.
Vielleicht ist eine Kaffeetasse manchmal wichtiger als ein Hilfsprogramm
Wir denken bei Unterstützung schnell an Pflege, Fahrdienste oder organisierte Angebote. Dabei kann man auch einfach einen Kaffeetreff organisieren. Oder einen Spielenachmittag. Menschen aus derselben Straße zusammenbringen. Jemanden mitnehmen. Nachfragen, ob jemand Lust auf einen Spaziergang hat.
Wichtig: Einsamkeit ist dabei übrigens kein Seniorenproblem. Sie kann einen 25-Jährigen genauso treffen wie eine 80-Jährige.
Im Alter kommen allerdings Faktoren hinzu. Der Freundeskreis wird kleiner. Der Partner fehlt vielleicht irgendwann. Mobilität nimmt ab. Manche Kontakte verschwinden zusammen mit dem Berufsleben. Dagegen hilft keine Sonntagsrede über gesellschaftlichen Zusammenhalt. Manchmal hilft ein Mensch, der klingelt.
Älter werden, ohne das Leben einzustellen
Damit berührt das Thema zwangsläufig einen Bereich, mit dem ich mich auch in Zukunft auf meinem Plattform zur Stressprävention – und Bewältung befassen werde, es ein Stressfaktor oft, für die ganze Familie ist.
Wie verändert sich das Leben, ohne dass wir Veränderungen ausschließlich als Verlust betrachten?
Bewegung gehört für mich unbedingt dazu. Nicht mit dem Anspruch, mit 75 noch irgendwelche sportlichen Rekorde aufstellen zu müssen. Sondern möglichst lange beweglich, kräftig und selbstständig zu bleiben.
Gymnastik, Laufen und Fitness, Schwimmen, Spaziergänge oder ein angepasstes Fitnessprogramm können dabei völlig unterschiedliche Wege sein.
Der entscheidende Punkt ist für mich nicht das Geburtsjahr.
Es ist die Frage: Was geht noch?
Und nicht ständig: Was geht nicht mehr?
Und dann kommt plötzlich KI ins Spiel
Das ist die Verbindung, die vermutlich nicht jeder erwartet. Ich beschäftige mich momentan sehr intensiv mit künstlicher Intelligenz. Dabei begegnen mir Lernangebote für Schüler, Studenten und Senioren. Und selbst bieten wir KI-Weiterbildungen für Mitarbeiter, Führungskräfte und Unternehmen an.
Aber warum eigentlich nicht viel stärker für Senioren?
Nicht, damit Oma jetzt Prompt Engineering lernt. Sondern damit Technik ihr das Leben leichter macht. Beispiele:
- Einen komplizierten Brief in verständliches Deutsch übersetzen.
- Eine Bedienungsanleitung erklären lassen.
- Eine Nachricht formulieren.
- Eine Reise vorbereiten.
- Eine fremde Sprache übersetzen.
- Fragen stellen, bei denen man vielleicht niemanden anrufen möchte.
Gleichzeitig muss man erklären, wo die Gefahren liegen. Gefälschte Bilder. Stimmen, die täuschend echt klingen. Betrugsversuche. Falsche Informationen.
KI-Kompetenz hat keine Altersgrenze. Vielleicht wird genau das auch einmal ein Thema für unsere Inititative AIttention.
Was hat das alles mit meiner Arbeit zu tun?
Mehr, als ich zunächst selbst gedacht habe. Bei Without Stress beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir mit Belastungen und unterschiedlichen Lebensphasen umgehen. Bei AIttention geht es darum, Menschen beim sinnvollen und verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz mitzunehmen.
Bewegung und körperliche Leistungsfähigkeit begleiten mich ohnehin seit Jahren. Und als Mentor interessiert mich zunehmend nicht nur, was Unternehmen erfolgreicher macht. Mich interessiert der Mensch dahinter. Deshalb muss aus dem heutigen Tag auch keine neue Initiative und kein neues Projekt entstehen. Vielleicht reicht es zunächst, genauer hinzusehen.
Denn Respekt lässt sich schlecht outsourcen
Wir können professionelle Pflegedienste schaffen. Begegnungsstätten finanzieren. Seniorensport anbieten. Digitalkurse veranstalten und kommunale Programme gegen Einsamkeit auflegen. Alles sinnvoll. Aber eine Gesellschaft zeigt ihren Umgang mit älteren Menschen auch in den fünf Sekunden, für die es kein Förderprogramm gibt.
- Halte ich die Tür?
- Helfe ich mit der Kiste?
- Habe ich Zeit für einen Kaffee?
- Erkläre ich etwas zum dritten Mal, ohne genervt zu reagieren?
- Klingele ich beim Nachbarn?
- Und frage ich meine Eltern vielleicht nicht nur, ob alles in Ordnung ist, sondern setze mich auch einmal hin und höre zu?
Am heutigen Tag der Senioren kann man dafür Danke sagen. Spätestens ab Morgen wäre allerdings der bessere Tag, es auch zu zeigen.


